cora
9. August 2008
hi ihr lieben!
hoffentlich ist eure geduld, auf news aus mexiko zu warten, noch nicht ausgegangen, denn das warten hat endlich ein ende =)
ehrlich gesagt weiss ich gar nicht, wo ich beginnen soll, soooo viel zeit ist seit meinem letzten bericht vergangen. dafür haben wir uns live geniessen können, was viel besser
ist, und ich durfte meine batterien mit guter schweizer-energie füllen, damit’s wieder für ein jahr reicht...
ehrlich, bei meine ankunft hatte ich wieder aller erwartungen zwar einen kulturschock, aber dann ist es auch immer eindrücklich zu erleben, wie schnell man sich an etwas anderes – obwohl in meinem
fall altbekanntes – gewöhnt. wir menschen sind echte gewohnheitstiere.
es ist so schwierig euch zu beschreiben, was denn so anders ist an mexiko oder eben der schweiz, ich glaube dem kann man gar nicht gerecht werden. man muss es erleben, aus dem
flieger auszusteigen und in einer neuen welt zu sein. die menschen beobachten. mit ihnen sprechen und zeit verbringen. natur, geschäfte, gewohnheiten, einstellungen, sprache, so vieles spielt eine
rolle. Ich lerne hier jeden tag neues über mexiko und geniesse es, was ganz anderes erfahren zu dürfen.
mit einer kollegin habe ich gestern über die mexikanische familie, ihre traditionen und vorstellungen gesprochen. hier ist der mann häufig noch macho, gleichzeitig zwar auch gentleman, aber
vordergründig wirklich macho. er arbeitet zwar und will meist, dass seine frau eben dies nicht tut, lässt ihr dann aber auch keine freiheiten und hilft ihr nichts im haushalt. die leidenden sind
paradoxerweise oft die frauen, eben jene, die selbst söhne grossziehen, söhne, die von klein auf lernen, dass sie anders sind als mädchen, männer halt, und sich von mutter und geschwistern bedienen
lassen können. irma, meine freundin, hat mir jetzt von typischen fall einer erzählenden mutter berichtet, welche sagt: „meine tochter hat einen superguten ehemann, gott sei dank. er hilft ihr mit den
kindern, bringt ihr am wochenende den kaffee ans bett und macht manchmal sogar die wäsche. ich bin froh, dass sie einen so tollen mann erwischt hat. aber mein sohn, echt unglaublich, das pure
gegenteil. er muss seiner frau mit den kindern helfen, bringt ihr am wochenende den kaffee ans bett und glaub es oder nicht, manchmal muss der ärmste sogar die wäsche machen. schlechter hätte er wohl
nicht wählen können!
ah ja, und nun noch die news aus dem zahnarztbereich:
mein liebster hat vor einer woche so richtig fiese zahnschmerzen bekommen, soooo fies, dass er freiwillig und selbständig einen zahnarzttermin vereinbart hat. (gäll michi!). nach einem wochenende
voller zahnschmerzen, schlafloser nächte und medikamente war es dann endlich soweit. stellt sich heraus, dass eine wurzelbehandlung in der schweiz schlecht gemacht worden ist (ja, ihr habt richtig
gelesen, in der schweiz! –anmerkung: manu hat mir gesagt, er habe damals nicht viel geld gehabt und gedacht, er gehe halt zum billigsten zahnarzt, wenn dieser auch frisch ab uni war- no comment) und
wiederholt werden müsse. gesagt, getan: manu konnte wiederum zwei tage später zum spezialisten, alles tiptop, die operation in vollem gange, da zieht ein mexikanisches gewitter auf, gefolgt von
stromausfall. ups, manu sitzt im dunkeln, den mund weit geöffnet, den nerv halb draussen, zwar mit einem profi an seiner seite, allerdings in einer mexikanischen einrichtung. Es muss hier auch gesagt
werden, dass mein mann kein bisschen nervös wurde, er kennt ja sein land und für überraschungen ist selbes immer gut. also, was machen? warten... doch nach einer halben stunde ist das licht noch
nicht zurück und der zahnarzt fragt manu, was sie jetzt machen sollen. frag mich was besseres, du bist hier der zahnarzt, nicht? auf jeden fall beschliessen sie, den zahn so gut wie möglich
abzudichten, um morgen mit der prozedur fortfahren zu können. die zahnarztgehilfin hat unterdessen zum glück auch eine taschenlampe gefunden, mit welcher sie meinem mann zu allem bereit in den mund
leuchtet, damit herr doktor was sieht. kaum fertig mit der provisorischen lösung, kommt dann nach 40 minuten auch das licht zurück und die operation kann zu ende geführt werden. gut, nicht
=)
ansonsten haben wir ein neues familienmitglied, ehrlich gesagt schon fast zwei, nämlich zwergkaninchen – dacht ich jedenfalls! =) -
als ich nämlich aus der schweiz zurückkam, hatte sich ana, meine spanische nachbarin, ein zwergkaninchen gekauft. vielleicht wisst ihr das nun nicht, aber als kind war ich der grösste tierfan auf
erden überhaupt und wäre es nach mir gegangen, hätten wir einen halben zoo gehabt zuhause. meine eltern sahen das ein bisschen anders und haben mich ständig auf später vertröstet. und was ist
geschehen: es wurde später, annina hatte eine eigene wohnung und wollte kein tier mehr: aus platz- und zeitgründen. nun, nichts desto trotz bin ich immer noch ein absoluter tierfreund und habe mich
natürlich innerhalb kürzester zeit in ihr kaninchen verliebt. tja, michi, das passiert wenn du mich alleine lässt mit einem leeren gästezimmer. das schlagzeug spricht leider nicht mit mir, macht
keine luftsprünge und frisst keine chilipflanzen. =)
ok, in meinem kopf begann es zu denken, und da ich in einem haus mit garten wohne und alle voraussetzungen, zu einem kaninchen schauen zu können, wohl bestens erfülle, beschloss ich, mein erstes
eigenes haustier zu kaufen – und ja, natürlich mit manus einwilligung, wie hätte er seiner frau einen solchen herzens- (oder kinderwunsch?;) ) auch abschlagen können...? ok, wenn ich mich dann mal
für was entschieden habe will ich es sofort, ehrlich gesagt lieber gestern als morgen. also machte ich mich mit ana auf die socken, aber niemand hatte zwergkaninchen und erst recht keine jungen
babies. da bin ich nun in einer riesigen stadt, in der man ALLES bekommt, denke ich, und es ist nicht möglich, ein kleines tierchen zu finden?!? ich beschloss an die quelle aller „güter“ zu gehen und
fuhr ins zentrum, zum grössten aller guadalajara-märkte. und siehe da, inmitten von teppichen, sombreros, süssigkeiten, schlachtabfällen und überfüllten vogelkäfigen finde ich doch tatsächlich einen
käfig voller junger kaninchen. jöö, ihr hättet mich sehen sollen, am liebsten hätte ich gleich alle tiere aufgekauft und befreit. eher schwierig, mission impossible-ähnlich... =( iren, es hatte sogar
junge entchen oder gänschen, so süss, aber frag mich nicht was passiert, wenn keiner sie kauft. oder WENN einer sie kauft? nach hause ging ich glücklich wie ein kleines mädchen am geburtstag mit
meinem einmonatigen häschen, welches ich sogleich cora taufte. cora von „corazon“, was auf spanisch „herz“ bedeutet. fragt mal tom, sime, nik und ben oder meine familie, ob sie nicht süss ist... cora
hoppelt nun also im garten herum, zur zeit mit ihrem nachbarsfreund, da dessen „frauchen“ verreist ist, frisst meine radieschenblätter, meinen basilikum und buddelt löcher
J, wächst
und wächst aber am meisten wachsen ihre ohren. das nachbarshäschen, das einen monat älter ist, hat halb so grosse ohren und ich denke langsam, dass irgendwas komisch ist und beginne am „mini“ zu
zweifeln. =) unterdessen ist klar, cora ist kein mini, wie gross sie wird ist eine überraschung und nein, sie wird trotzdem nicht als braten auf dem tisch landen. und da das nachbarshäschen morgen
zurück geht und ausserdem ein männchen ist –und vielleicht habt ihr schon von der vermehrung der hasen gehört – werde ich morgen auf den markt gehen und ein zweites weibchen kaufen – das sich dann
vielleicht als männchen oder als meerschweinchen herausstellt, wer weiss? wir lassen uns überraschen...! =)
manu ist glücklich, dass er mich zurück hat, er ernährt sich nun wieder gesünder, findet die badetücher und verbringt manchmal einen tag ohne zu arbeiten. =) es ist schön,
wieder bei ihm zu sein, nun sind wir beide wieder komplett. ausser den zahnschmerzen geht es ihm auch wirklich gut, er hat in seiner firma sogar teilhaberschaft angeboten bekommen! Das ist WIRKLICH
gross und ein riesiger segen und nein, es heisst nicht nur, dass er noch mehr arbeiten muss, das haben wir reichlich besprochen und überlegt. mir zuliebe reist er auch nicht mehr, wenn er nicht
absolut zwingend muss, so dass ich seit dem monat, in dem ich jetzt schon zurück bin, kein einziges mal alleine war. gott ist gross!
bei mir gehts am montag los mit arbeiten, zwei tage einführung der neuen lehrer, dann gesamtsitzung, weiterbildung und vorbereitung auf den unterricht, der dann eine woche später beginnt. daumen
drücken, die ferien sind zu ende. ich freu mich!!!
a propos ferien, ich möchte mich einfach nochmals von ganzem herzen bedanken für all die gespräche, kaffees, nachtessen, sönnele und baden, wanderung, tasche nähen, joggen,
jassen, ämmitau, gastfreundschaft, autos, und vor allem für euch, eure freundschaft, herzlichkeit, liebenswürdigkeit. Danke speziell auch euch, familie, für all die spontaneität, riesige
unterstützung sowohl als „basecamp“ als auch hauptort und für eure liebe.
ich durfte dank euch allen einen absolut genialen und wunderschönen schweizer-monat verbringen. hopp schiiz!
so, es gäbe wohl noch viel zu erzählen aber zuerst freu ich mich nun auf eure news und lass euch – falls ihr überhaupt bis hierher durchgehalten habt – etwas aufatmen, ja?
dicke umarmung, annina
ah ja, und die meisten fotos sind diesmal natürlich aus der schweiz. enjoy!
Welcome