cora - damals noch klein
liebe familie, liebe freunde
wirklich lange ists her seit ich von uns zu hören liess, höchste zeit um euch mal wieder ein bisschen was zu erzählen!
im moment sitze ich gerade in mariarosas gästezimmer und tippe auf meiner tastatur, da es erst 10 uhr abends ist und ich mir schon lange vorgenommen habe, endlich diesen bericht zu schreiben.
manu ist
gerade unterwegs in die hauptstadt und ich erwarte sehnsüchtig seinen anruf. seit ich aus der schweiz zurück bin – und das sind immerhin fast 3 monate! – hat mein schatz noch nie verreisen müssen –
im gegenteil, das letzte mal bin sogar ich verreist, an eine dreitägige weiterbildung zum thema „deutsch als fremdsprachenunterricht“ in die hauptstadt. das dumme daran war, dass mein schwiegervater
peter und manus schwester rebi mit freunden gerade zu diesem zeitpunkt unterwegs zu uns nach guadalajara waren, so dass wir uns sozusagen gekreuzt haben, das tolle daran war das upgrade im ohnehin
schon 5-sterne-hotel, weil sie leider mein zimmer nicht mehr hatten und mir deshalb die senior suite geben mussten.
tja, was soll ich sagen, das war wirklich hart, ein bett so gross dass ich mich nicht entscheiden konnte auf welcher seite zu schlafen, ein badezimmer zum verlaufen und das prachtstück: ein jacuzzi
mitten im zimmer! die fortbildung war toll, wir kriegten tips und tricks, haben uns schulstunden ansehen dürfen und vor allem mit kollegen ausgetauscht und gemerkt dass es uns allen gleich
geht.
und eben, abends rief das jacuzzi.
–so, nun aber zurück zu meinem mann, er schiebt und organisiert so dass er möglichst nur von guadalajara aus arbeiten muss, aber da sein chef innerhalb der nächsten zwei wochen zum dritten mal vater wird, setzt sich selbstverständlich manu in den flieger. ist auch recht so! =) und ich schlafe bei meinen freunden weil mir unser haus alleine so gross und verlassen vorkommt.
manu gehts
soweit super, er joggt, spielt gitarre, tanzt salsa, trifft freunde, geniesst seine frau (stimmt, das eigentlich an erster stelle, noch vor dem joggen ;) ), und eben, arbeitet. die firma wächst
bereits und einmal mehr muss ich feststellen, dass die welt wirklich klein ist:
am ersten august sind wir als gute eidgenossen natürlich an ein ebensolches treffen gefahren, damals mit zusätzlicher verstärkung aus der westschweiz, mit thömu und constatin. es war toll, wir haben
eine eigens an auslandschweizer gerichtete festansprache gehört, gebrätelt, fondue gegessen (die wirklich krassen compatriotas sind mit caclon und allem angerückt), bier getrunken, indiaka gespielt,
gefeiert. manu musste früher zurück, um die „geschäftsentstehungsdokumente“ zu unterschreiben, und wir anderen haben dann andrea, einen tessiner auf arbeitssuche, kennen gelernt. er war
supersympathisch und im gespräch entpuppte er sich als viersprachig, ingenieur, mit studium an der epfl in lausanne! wie der zufall so wollte wusste ich dass sie in manus geschäft mit arbeit mehr als
nur zugedeckt und dabei waren, neue personen zu rekrutieren. zählt zwei und zwei zusammen, ja, heute arbeiten die beiden zusammen und andrea und seine mexikanische freundin beatriz sind gute freunde
von uns geworden. =)
am Samstag
war bereits wieder ein schweizer treffen, eines für die neuen generationen, wobei wir dann einige kollegen doch gefragt haben wo denn die grenze sei =). da haben wir wieder eine menge leute kennen
gelernt, für mich ist das lustigste immer all die gesichter zu sehen: ich komme ans schweizer treffen und von 20 leuten hat vielleicht einer ein gesicht, in welchem allenfalls aus der ferne schweizer
züge zu erkennen sind. gesprochen wird im breitesten spanisch und deutschsprachige musst du suchen. wenns hochkommt gibts noch eine französischsprachige und wenns ganz hoch kommt – oder eben andrea
dabei ist – noch eine italienischsprachige person. =) es gibt halt viele ehefrauen, - männer, töchter erster oder sogar zweiter generation, freunde der halbschweizerischen cousine oder einfach
schweizerfans, die an diese treffen kommen. trotzdem kannst du einen unterschied feststellen gegenüber rein mexikanischen gruppen, die leute sind superfreundlich, interessiert, hilfsbereit, aber ein
mü zurückhaltender, leiser, diskreter als die mexikaner. lustig irgendwie, aber so dass man sich trotzdem unter seinesgleichen fühlt. =)
also, und diesmal haben wir marcela kennen gelernt, mutter mexikanerin, vater schweizer, viele jahre in der schweiz gelebt, seit ein paar monaten hier in mexiko bei ihrem mexikanischen freund. nimm
manu, mach ihn zu einer frau und ein paar jährchen jünger, mach aus mir einen mexikaner und voilà, unsere geschichte. war jetzt ganz logisch, gell?
J
die beiden haben sich auf jeden fall ins abenteuer gestürzt, er findet leider keine arbeit und sitzt zu hause, sie arbeitet, jedoch
für einen mexikanischen durchschnittsohn von 500 fr. pro monat – ja, richtig gelesen, erinnert ihr euch noch an meinen ersten job? – und sie versuchen, irgendwie über die runden zu kommen. leben tun
sie in einer kleinen wohnung ganz in unserer nähe, mit zwei sofas und einem bett. aller anfang ist schwer...
nun am treffen stellt sich heraus, dass manus chef aus demselben dorf kommt wie marcelas freund, der auf arbeitssuche ist, und die beiden familien sich sogar kennen! ihr könnt euch schon vorstellen,
was manu gerade macht, er ist am lebenslauf lesen und unterwegs zu seinem chef... =) wie gesagt, die welt ist klein!
was ist sonst
noch neu in unserer kleinen welt? genau, mein haustier hat gesellschaft bekommen. kaninchen nur.2 gräbt und frisst nun in meinem garten, ein häufchen, ca.3 wochen alt (quien sabe?), mit „lampiohre“,
dunkle farbe zwischen grau und braun – erinner mich gar nicht von so weit her =).
der sohn von pulidos hat sich seit er meine cora kennen gelernt hat um alles in der welt ein kaninchen zum geburtstag gewünscht, gekriegt, und nach zwei tagen das interesse verloren. so dass
mariarosa also ausmistete und fütterte. also habe ich mit dem sohn gesprochen und das kaninchen – ja, wirklich mit seiner erlaubnis – kurzerhand evakuiert. ob männchen oder weibchen stellt sich noch
heraus, das ist ja so eine sache, denn kaum war jackie – oder luna, wie ich sie umgetauft habe- in unserem garten angekommen wurde cora ganz wild und setzte sich gleich hintendrauf. so dass ich mit
eigenen augen gesehen habe dass cora – entgegen der bestätigung sowohl des verkäufers als auch des tierarztes – also doch eher coro ist.... =)
meine lieben, es gäbe noch viel zu erzählen, zum beispiel von maries und lalos hochzeit in puebla, unserem treffen mit memo, karla, april und emily, meiner schule, dem kommenden oktoberfest, aber mein mail wird mal wieder länger und länger und ihr müder und müder, gell?
also zum
abschluss noch die kurzfassung zum thema anninas neuer job als deutschlehrerin in mexiko, denn das habt ihr mich in mails am häufigsten gefragt:
es sind jetzt bereits zwei monate her seit meinem ersten arbeitstag und ich kann sagen, dass es mit jedem tag besser geht und ich so nach dem ersten monat als polizistin dann doch langsam als
lehrerin tätig werden konnte. die kinder sind nett, lieb, machen nichts mit böser absicht, aber sie sind laut, chaotisch, verwöhnt und zumindest in der 6.klasse zum teil erschreckend desinteressiert.
am meisten fällt mir im vergleich zu meinen schweizer schülern der unterschied auf bezüglich arbeitshaltung, einstellung, selbständigkeit, da sind sie meilenweit hintennach, so dass ich oft nicht
sicher bin, ob sie jetzt wirklich gedacht haben bevor sie den mund öffneten.
ich habe erst-, dritt-, viert- und sechstklässler, gebe „nur“ deutsch, wechsle in der 5min.-pause klasse und manchmal auch gebäude, das tempo ist anders, das verhältnis zu den schülern auch (nur ein
bis manchmal zwei stunden täglich pro klasse). die tatsache nur ein fach zu unterrichten ist gewöhnungsbedürftig, die riesige schule, die menge an leuten. aber alles in allem ist es wunderbar, ich
bin glücklich viel lernen zu dürfen, es geht mir gut, ich mag meine klassen (mal mehr, mal weniger, stellt euch eine achterbahn vor), schulleitung und team sind 1a, wirklich toll. und eben, ich werde
geschult in geduld, im unterrichten einer fremdsprache, in kulturellen unterschieden und vielem mehr.
schade, könnt ihr in zwei wochen am oktoberfest nicht mit dabei sein, ich hätte gerne ein bier mit euch getrunken und en würstel gegessen... ein andermal halt =)
dicke,
wirklich dicke umarmung aus mexiko, lasst von euch hören,
annina
P.S.: fotos gibts diesmal leider keine, noch nicht einmal von luna, da meine kamera endgültig den geist aufgegeben hat... ;(
Welcome