Annina mit 20 Wochen altem Baby Annina mit 20 Wochen altem Baby

5. Juni 2009 

 

Hi ihr Liebsten

Como están? Como los trata la vida?

Uns gehts soweit gut, Manu ist wohlauf und am Arbeiten, ich muss seit gestern ruhen und möglichst das Bett hüten. Obwohl schon bald die Hälfte der Schwangerschaft vorüber ist und es mir bisher supergut ging, habe ich vorgestern von einer Minute auf die andere heftige Bauchschmerzen gekriegt, so dass ich schlussendlich zum Arzt gegangen bin. Der hat Schlimmes Gott sei Dank ausschliessen können, dann aber eine kleine innere Blutung entdeckt, so eine Art blutunterlaufenen, blauen Flecken, was nicht schlimm ist wenn mans als Zeichen und ernst nimmt, andernfalls aber doch schlimm werden könnte. Also bin ich jetzt zu Hause und im Bett. Erstmal für 5 Tage, am Montag werden wir weitersehen.

Wer mich kennt weiss, dass es mir schwer fällt, ruhig zu sein und nichts zu machen, aber damits unserem Kind gut geht, mach ich alles, das ist ja klar. Da muss die Schule halt auf Platz Nummer zwei rücken, und alles andere auch. Zum Glück sind die Abschlussprüfungen in allen meinen Klassen gerade eben vorbei und in vier Wochen sind Sommerferien... und dann – kann ich in die schöne Schweiz kommen und euch alle dick umarmen und endlich wieder sehen, wie freu ich mich!

Mein Ticket hab ich am letzten Montag gekauft, ob ich jetzt tatsächlich kommen kann wird sich noch zeigen, es ist immerhin eine fast 24h-Reise und nicht ganz ohne, aber wenns dabei bleibt dann bin ich vom 7.Juli bis zum 3.August für einen langen schönen Sommermonat zu Hause! =) =) =)

Mal sehen, ob mein Bauch dann wächst, bisher sieht man zwar dass ich schwanger bin wenn man mich kennt, ansonsten könnt ich aber auch als ganz normale Mexikanerin mit Bäuchchen durchgehen. Und das obwohl ich gut esse und bereits im fünften Monat bin. Wenn ich allerdings an Migros oder Coop denke, an Quornplätzchen, Ravioli, Cannelloni, Silserbrötli, Schweizerbrot, -butter und –käse, dann wächst mein Bauch schon beim Gedanken daran. =) Und obwohl mein Mami das leckerste Essen auf Erden kocht, gelüstet es mich nach Frisco-Fertigprodukten! Hmmm, da sind wohl ein paar Hormone durcheinander... ;)

Wir wissen noch nicht, ob unser Nachwuchs ein Junge oder ein Mädchen wird, aber selbstverständlich werden wir euch auf dem laufenden halten, in den nächsten Wochen sollte mans sehen können. Ihr könnt also noch Wetten abschliessen. Ich habe das Gefühl es sei ein Mädchen, ganz viele Stimmen sind jedoch für einen Jungen. Abwarten...

In meiner Schule wissen unterdessen auch meine Schüler, dass ich schwanger bin, so dass ich täglich mit einem Geschenk nach Hause komme. Von Turnschuhen, über Socken, Bodys, Kleider, Plastikgeschirr und Babymozart-Musik haben wir schon allerlei tolle Geschenke gekriegt, und jedesmal aufs neue können wir nicht fassen dass da bald einmal unser Kind reinpassen soll. Das ist alles sooooo klein! Das allererste, was wir gekriegt haben, waren knallorange Turnschuhe, ich konnte mir nicht vorstellen dass da jemals ein Fuss reinpassen sollte und auch Manu hat mich am Abend als er sie gesehen hat ganz ungläubig gefragt, ob die echt oder doch eher „Spielzeug“ seinen... =) Bisher waren die Farben neutral, in Mexiko ist rosa/blau kein Klischée, sondern ein Muss, und diese Woche jetzt fand ein Mädchen meiner ersten Klasse nun sei es genug, es werde sowieso ein Mädchen und hat mir ein rosafarbenes Röckchen mit rosa Haarband inklusive Schleife geschenkt! =)

Ein Kulturunterschied, von dem wir bisher nichts wussten, ist dass hier viele junge Leute noch bevor sie heiraten oder Kinder kriegen schon ganz genaue Ideen haben, wie ihre Kinder heissen sollen. Und wenns dann wirklich soweit und man hier in Mexiko schwanger ist, fragen dich alle wie das Kind denn heissen werde. Vor einem halben Jahr wurde ich zur Babyshower von Natalia eingeladen, und als ich fragte wer Natalia denn sei, haben alle gelacht und gesagt natürlich das Baby. So fragen mir meine Kids also Löcher in den Bauch über den Namen unseres Kindes, und wohl nur weil ich Schweizerin bin nehmen sies mir ab, dass wir es noch nicht wissen und auch erstmal wissen wollen, obs ein Junge oder ein Mädchen ist. Für einen Jungen haben wir noch keinen Namen, für ein Mädchen hätten wir schon einen Favoriten, aber Mexiko hin oder her werde ich den jetzt noch nicht verraten, obwohl Vater Manuel die mexikanische Tradition toll findet und daran ist, mich auch davon zu überzeugen...

Unser Streichelzoo ist übrigens angewachsen – und mit ihm konstant die Löcher im Garten. Jetzt aber ist Schluss damit: Cora – mein Hasenmännchen – ist seit 1 Monat kastriert und diese Woche mit der Familie zusammengeführt worden. Die „Wiedervereinigung“ wurde von Manu und mir zuerst misstrauisch beobachtet, ist Cora doch wie in alten Zeiten schnurstracks aus Weibchen gestiegen um sie stundenlange immer und immer wieder zu reiten. Wären die unterdessen zweimonatigen „Kleinen“ nicht so schnell, hätte er auch vor ihnen nicht Halt gemacht... Irgendwann, gegen Ende das Tages, hat mein Hase wahrscheinlich gemerkt, dass es mit der Männlichkeit vorüber ist, denn seit dem zweiten Tag benimmt er sich wie ein kastrierter Hase und lebt in harmonischem Einklang mit seinen drei Frauen.

Auch der Garten sieht seit heute wieder besser aus, seit wir 4 Quadratmeter neuen Rasen gekauft und verpflanzt haben. Mal schauen, wie lange der vor den Mümmelmännern sicher ist...

Bei Manu im Geschäft sind alle am Kämpfen, wie der Rest der Welt kriegen auch sie die Wirtschaftskrise deutlich zu spüren, viele offene Verträge, die kurz vor dem Abschluss standen, bleiben momentan wegen mangelnden Geldes offen, Projekte werden aufs Eis gelegt oder sogar gleich gestrichen. Aber die Leute von Syndeo, so der Name von „Manus Geschäft“, geben die Hoffnung nicht auf, arbeiten tapfer weiter und investieren sich total – ich bin sicher dass dies bald belohnt wird, sich die Mühe lohnt und es bald wieder aufwärts geht.

Die Krise – dann noch schlimmer gemacht durch die Schweinegrippe – hat die mexikanische Wirtschaft so ziemlich auf einen Nullpunkt geführt. Von der Grippe hört und sieht man unterdessen auch hier eigentlich nichts mehr, die Mundschütze sind verschwunden, sowohl auf der Strasse wie auch in der Schule, die Hände werden nicht mehr stündlich, sondern nur noch viermal täglich desinfiziert und öffentliche Anlagen wie Restaurants, Kino, Kirche und Schwimmbäder sind wieder geöffnet.

Wir haben zehn Schultage verloren, den Kids jedoch nach und nach Arbeit nach Hause geschickt. Wie froh waren alle – Lehrpersonal gleichermassen wie die Schüler – als es wieder los ging. Schwer zu glauben, gell, aber wegen der Grippe und Angst konnte man halt sozusagen nichts unternehmen, sollte möglichst weder raus gehen noch andere Leute treffen, so dass allen das Dach auf den Kopf gefallen ist. Jedenfalls wars nicht zu vergleichen mit Ferien. Aber die kommen ja nun auch bald. Zum zweiten Mal werde ich übrigens alleine in die Schweiz fliegen, in der momentanen Situation kann Manu leider nicht so lange Ferien nehmen, dass sich ein Besuch in der Heimat lohnen würde, und ausserdem will er seine wenigen freien Tage sparen für wenn sein Baby auf die Welt kommt. Also werde ich zum letzten Mal in den nächsten paar Jahren meine Unabhängigkeit geniessen und vogelfrei entscheiden können, was ich machen möchte! Auch schön, oder? =)

Ich hoffe also dass ich meinen Schweizerurlaub in einem Monat bestätigen kann und drücke euch bis dahin aus der Ferne!

Besos, Annina