25. März 2008
Hallo liebe Leute in der verschneiten Schweiz!
Gestern habe ich ein Foto von einer verschneiten Hausterrasse in der Schweiz gesehen - Schock! Obwohl, ehrlich gesagt ist das für die Schweiz ja nicht super aussergewöhnlich, oder schon? Soweit ich
mich erinnere - und ja, ich war letzte Ostern noch da ;) - gibt es in der Schweiz im März das ganze Spektrum von T-Shirt-Wetter und blühenden Osterglocken bis hin zu Kälte und Schnee...
Wir - Manu, Michi und ich - kommen gerade von unseren Osterferien zurück, unsere Arbeitsgeber haben uns doch tatsächlich eine Woche Urlaub gegönnt. Das heisst, eigentlich war hier Urlaub von
Donnerstag bis Sonntag, aber Manu konnte zwei Ferientage einziehen - von seinen fünf... ;) - und ich durfte auch verreisen, einfach mit zwei unbezahlten Tagen. Michi hat ihre Schule bereits
abgeschlossen - sie wird bald wieder Privatunterricht nehmen bei ihrem Lieblingslehrer, zusammen mit einer Freundin - und so stand einer kleinen Reise nichts mehr im Wege! Gesagt, getan: am Samstag
direkt nach der Arbeit fuhren wir drei mit unserem Auto ins DF, - juhuuuuu, Ferien! - von dort aus dann am Sonntag mit Onkel, 2 Tanten und drei Cousinen weiter nach Jalcomulco, einem Städtchen mitten
im Grünen, Naturerlebnis pur, echt der Hammer: River rafting, klettern, reiten, Tirolièn (im Klettergstältli über ein Drahtseil flitzen), Massagen, eine Art Sauna, schwimmen im Pool, sönnele, Karten
spielen, lesen, feines Essen und natürlich schwatzen bei einem kühlen Bier, all das stand auf dem Programm - es war herrlich, wirklich ein Traum. Lustigerweise kennen alle meine Mexikanerfreunde
Jalcomulco nicht, es war ein Geheimtipp von Luis und hat jetzt ein paar Fans mehr...
Nur leider gibt es Leute mit Kajak- und Wassererfahrung, die dann doch in Shorts auf den Fluss gingen („Nein, die Beine verbrenn ich mir nie!") und nicht gerade erstaunlicherweise nach 3 h verbrannt
zurück kamen. Ja, genau, ich spreche von mir in Person, und ich sage euch, einen solchen Sonnenbrand hatte ich noch nie im Leben! Bereut und gebüsst habe ich es dann auch: am zweiten Tag war
natürlich nichts mehr mit River raften, konnte froh sein dass ich aufstehen konnte, aber jede Bewegung schmerzte höllisch und um es auszuhalten musste ich schlussendlich Schmerztabletten nehmen...
chin! Heute, genau eine Woche später, schält sich mir die Haut ab und ich sehe aus als hätte ich eine ernsthafte Krankheit - habe schon entsetzte Blicke von sowohl Schülern als auch Team geerntet.
Und unter meinem Pult sammeln sich die Hautfetzen...
Trotzdem sind wir alle auf unsere Rechnung gekommen, Michi hat sich sogar mit aufs Pferd gewagt (und sich gut gemacht), und mein geliebter Schatz hat einen „komischen Kletterkauz" kennen gelernt,
jedenfalls ein Unikat, und kam überglücklich und freudenstrahlend von ihrer gemeinsamen Klettertour nach Hause. Soda, so sein Name, wohnt in einer Höhle ca. 30m über Boden, sammelt Regenwasser mit
einer selbstgefertigten Konstruktion, hat eine Jugendherberge gebaut, in welcher man entweder in Höhlen im Boden oder dann in Baumhütten schläft und zählt gerade mal etwas über 30 Jahre,
wow...speziell anders!
Nach dem paradiesischen Jalcomulco fuhren wir noch für 2 Tage nach Veracruz, einer riesigen Hafenstadt am Meer - da, wo vor etwa 5 Monaten unsere Reisekisten angekommen sind und meine Haarfarbe
geraucht wurde ;) - was zwar schön war, aber dann doch fast wieder zu städtisch nach der unschlagbaren Idylle.
Am Freitag gings in einer Monsterfahrt von 12 Stunden zurück nach Guadalajara, wobei es mir zu verdanken ist, dass es nicht eher 10 waren, oder halt der schlechten Beschilderung Mexikos... die Fahrt
übers Land mit seinen malerischen Dörfchen war zwar nicht zu verachten, aber die Schlaglöcher und Strassen à Tempo 30 habens dann doch nicht wettgemacht...
Nun, Ostermontag (der hier nur in den Primarschulen zählt, die geniessen noch eine ganze Woche Ferien) gings zurück an die Arbeit und weil einige Stundenten eben auch noch in den Ferien sind, habe
ich wieder einmal Zeit für einen Bericht...
Übrigens, das Beste habe ich euch gar noch nicht erzählt: drei Tage vor den Ferien habe ich doch tatsächlich meine Arbeitsbewilligung bekommen, hipp hipp hurra! Jetzt kann ich mich nach einer neuen Arbeit umsehen, meine erwachsenen Schüler sind zwar super, wir verstehen uns prächtig, aber ehrlich gesagt ist mir die Arbeit zu langweilig; immer nur Deutsch, keine grosse Verantwortung, ab und zu Freistunden die zwar bezahlt werden (grottenschlecht, aber bezahlt), ichdeshalb aber auch absitzen muss... oder abmailen, ablangweilen, abessen, abschwatzen... ich vermisse meine lebendigen, wissbegierigen, manchmal wilden, immer bewegungsfreudigen, lauten und vor allem abwechslungsreichen Kinder, die verschiedenen Fächer, Elternarbeit, Ämter... sogar alles, vor was einem manchmal eher graut! Hier wird mir jegliche (Selbst-)Verantwortung entzogen und es ist purer Alltagstrott... Ich brauche eher eine Herausforderung als eine Unterforderung, aber das werde ich finden. Diese Woche starte ich meine Suche nach einer neuen Arbeit, mal schauen, welchen Plan Gott für mich bereit hat. Ich bin gespannt!
Manu ist überglücklich und hochmotiviert zurück an seine Arbeit gegangen, während ich am liebsten die ganze Ferienwoche gleich nochmals unternommen hätte... das spricht Bände, oder? Es geht ihm super
hier in Mexiko, er hat seine Herausforderung im Job bekommen und „fliegt" nach wie vor... ich bin superstolz auf ihn, wie er alles handlet, Prioritäten setzt, tausend Sachen macht neben seiner Arbeit
und sich immer so viel Neues aneignet - schwierig zu beschreiben für mich, so dass ihr es versteht, einfacher gesagt: Mein Mann ist echt super, der wirklich beste Mann der Welt für mich! Und das
ehrlich sagen und meinen zu dürfen, ist ein Geschenk, dessen bin ich mir bewusst!
Nun aber genug geschwärmt: und übrigens, falls ichs übertreibe in meinen Berichten und Mexiko immer rosafarbener wird, sagts mir ruhig, denn das ist bestimmt auch nicht die Realität, jedes Land hat
viele Vor- und Nachteile, und schlussendlich kommt es bestimmt auch auf den Sichtwinkel an...
Ich hoffe euch geht es gut und auf die Gefahr hin mich zu wiederholen möchte ich mich für alle Mails, Grüsse, Gedanken, SMS, Telefongespräche und Reaktionen auf unsere Mails und Berichte bedanken.
Wir denken viel an euch, ihr seid alle in unseren Herzen, die Entfernung ist eher geografisch...
Ganz liebe Grüsse aus wärmeren Temperaturen,
Annina
PS: Fotos gibts hier
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