23. September 2007

Liebe Freunde + Family

 

Hier sitze ich nun, in Guadalajara, Mexiko, am runden Tisch in unserem Häuschen, neben mir ein Glas agua de horchate, im Bauch Tofutortillas – yeah, die Mexikaner haben tatsächlich Tofu, auch wenns die meisten von ihnen nicht wissen ;) – hinter mir an der Wand eine riiiieeesige Schweizerfahne – der Dank hierfür gebührt Manus Smallgroup, echt der Hammer! – und frage mich, wo ich überhaupt anfangen soll.

 

Es sind erst drei Wochen vergangen, seit Manu und ich die Schweiz verlassen haben, doch es fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Vielleicht liegt das daran, dass wir seit dem 1.September Fuss in drei Länder setzen und vieles erleben durften. Aber nun mal eine Kurzfassung von Anfang an:

 

Unser erstes Ziel hiess Montreal, Kanada. Manus Herz schlug höher, noch bevor wir gelandet waren, und dann, einmal Land unter den Füssen, hat er mir gestanden: Schatz, ich fühle mich hier wie zuhause! Nun muss man wissen, dass Manu mir das normalerweise sagt, wenn wir in Mexiko oder in der Schweiz landen, aber wer ihn schon länger kennt, weiss, dass er ein Austauschstudienjahr in Montreal verbracht und somit tatsächlich so was wie Heimvorteil hatte.

 

Kanada ist megaschön, grün, sauber, nette Leute, ungefährlich… und plötzlich kam mir der Verdacht, dass es vielleicht nicht die beste Idee war vor Guadalajara noch ein paar „Schoggistädte“ zu besuchen, wo man Velo fahren, joggen und sich leicht orientieren kann, wo alles organisiert ist und klappt! ;)

Allerdings gibt es auch in Montreal schräge Vögel (siehe Fotos!). Im grossen Park trifft man sich am Sonntag mit Trommeln, Hunden, seinen Jongliersachen, zum Saltos üben, Capoeira tanzen, Musik aufzulegen oder auch, um sich verkleidet in ein mittelalterliches Kostüm und bewaffnet mit einer Axt, einem Pfeilbogen oder ähnlichem zu bekämpfen. Wir fühlten uns abwechselnd mal wie im Zirkus, dann wie im Mittelalter und zu guter Letzt wie in den Hippizeiten – so jedenfalls stellen wir uns die vor! War echt ein Erlebnis!

 

Nach einer super Zeit verabschiedeten wir uns am Mittwochmorgen von April, Lars und der Stadt und bestiegen den Greyhoundbus in Richtung Staaten. In Kürze würde ich es also endlich schaffen und die USA betreten, ich war ein bisschen aufgeregt, besonders davor, was an der Grenze passieren würde…hätten wir doch Esthis und Kasis Rat nicht vergessen und uns Emilies Adresse (sie wollten wir am Wochenende besuchen) aufgeschrieben oder zumindest gemerkt! Aber eben nein, Manuel und Annina kommen an die Grenze und wagen es, dem hochbewaffneten Polizisten oder Grenzwächter zu sagen, sie würden zuerst mal drei Tage herumreisen und dann würden sie Emily in Boston besuchen. Ob er denn nicht wisse, wer Emily sei oder wo sie wohne? =) Tja, alles was wir hatten war eine Telefonnummer, aber leider kein Telefon und ihres durften wir nicht benutzen. Uff… Nach Daumenabdrücken geben und in die Webcam lächeln hat uns der Herr Chef vom Grenzwärter dann mürrisch zwischen den Zähnen zugemurmelt, wir würden also im HolidayInn in Boston wohnen. Verstanden! Es lag mir auf der Zunge, ihn noch zu fragen, wer denn der nette, lächelnde Mann sei, der dort an der Wand hänge (Bush), aber das wäre dann wohl doch zuviel gewesen und schliesslich wollten wir ja noch zu Emily und Joelle.

 

Es folgen zwei Adventuretage in einem Naturpark im Staate New York, von der Grösse wohl ähnlich der der ganzen Schweiz. Wir gingen Kanufahren (und fühlten uns dabei wie im tiefsten Kanada), reiten (Manu wird immer besser, bald galoppiert er mir davon, wenn sein Pferd denn will =) und genossen die Natur und ein heisses Spabad unter dem Sternenhimmel der Wildnis. Sogar ein Bed and Breakfast namens Willkommenhof haben wir gefunden, betrieben von einer Deutschen und ihrem amerikanischen Mann. Ach ja, Randnotiz für die Pferdefans: wir haben ein Polotraining zusehen können, echt eindrücklich!

 

Am Freitag gings weiter nach Boston zu Emily. Wir mussten unser Mietauto zurückgeben und da die Hertz-Vermietung nicht in der Nähe von Emilies Wohnung war und kein Taxi weit und breit, beschlossen wir, mit unseren 10 (oder 20?!?) Gepäckstücken auf Schusters Rappen aufzubrechen. Ehrlich, das hättet ihr sehen müssen (hätte ich einen Finger freigehabt, hätte ichs fotografiert, versprochen!) Manu mit zwei Riesenkoffern, vorne am Bauch einen Rucksack, hinten einen Rucksack und eine Gitarre. Ich zwei Riesenkoffern, vorne einen Rucksack, auf der Seite den Laptop, hinten einen Rucksack. Und das bei Temperaturen so um die 30Grad… Ja, wir waren schnell die Sehenswürdigkeit Nummer 1 und die freundlichen Amerikaner wollten gar nicht aufhören, uns zu sagen: hi, it’s hot today, isn’t-it? Hey guys, I guess you don’t have to work out today anymore, do you? Sehr lustig, keuch, schwitz, japs!

 

Am Samstag wars immer noch heiss, so dass wir beschlossen, an den Strand zu gehen. Die Amis haben z.T. Strände, auf welche sie mit ihren Jeeps und sonstigen Riesenkarren drauffahren dürfen (gegen Mitgliedschaft, versteht sich). Das sah irgendwie schräg aus, Auto neben Auto, Kofferraum aufgeklappt, mit Campingtisch und Liegestühlen, Kühltruhe und Barbecuegrill! Macht euch selbst ein Bild.

 

Am Abend besuchten wir die Bluemangroup-Show, ein Megahit in den USA und soll gerade auch in Europa Fuss fassen. War spannend, auch wenn die Amis nicht immer den gleichen Humor haben wie wir Europäer…

 

Am Sonntag kam der Höhepunkt: Manu, Maxwell und ich besuchten einen mittelalterliches Festival. Ihr müsst euch einen riesigen Turnierplatz mit lauter Zelten vorstellen, in welchen Waffen, Lederkleider, Hüte, Amulette verkauft werden. Daneben x Stände zum Messerwerfen, Bogenschiessen, Gewichte stemmen. Dann viele verschiedene Bühnen mit Künstlern, Artisten, Zauberern und anderen Unterhaltern (siehe Foto Mud-Show… =). Und dann das absolut beste, und diesmal schlug mein Herz höher: der Turnierplatz mit Rittern und Pferden! Nur soviel: stampfende Pferdehufe, Lanzengesplitter, Schilder, die aufeinander krachen und Ritter, die vom Pferd geschoben werden. Wie im Film „a Knights Tale“, herrlich!!!

 

Zwei Tage später waren wir in Philadelphia, bei Joelle und John. Es tat megagut, mal ein paar Tage am gleichen Ort bleiben zu dürfen, ohne Koffern schleppen und Buswechseln. Wir genossen das Gästezimmer und die alte Freundschaft zu Joelle, nun fühlte ich mich wie zuhause – danke, Joelle! Wider den Meinungen anderer Leute, Philadelphia sei schmutzig und gefährlich, hat uns die Stadt sehr gefallen. Mit dem Touribus haben wir Runde um Runde gedreht, so dass wir unseren Gastgebern am Abend allerlei Spannendes von ihrer Stadt erzählen konnten. ;)

 

Mit dem Versuch, reich in Mexiko anzukommen und vielleicht doch nicht arbeiten zu müssen, gingen wir zum Abschluss zu viert ins Casino, wo wir aber leider mehr verloren als gewannen.

 

Und dann, plötzlich, war der 15.September da. Manu und ich standen morgens um 6Uhr am Flughafen von Philly. In wenigen Stunden nur würden wir in Guadalajara – oder wie’s Iren sieht: Guada-lach-ara – ankommen und das wirkliche Abenteuer (oder eher die Herausforderung?) könnte beginnen…

Doch mehr dazu das nächste Mal, jetzt müsst ihr erst mal ausruhen.

 

En härzliche Gruess a üch alli id Schwiz, Manuel und Annina

 

Für diejenigen, die uns so vermissen wie wir sie, oder diejenigen, die eine Mexikoreise planen möchten, hier unsere momentane Adresse (siehe Link, wird sich aber bald ändern) und aktuellen Telefonnummern. Wir freuen uns über jedes Mail, jeden Anruf und jedes SMS!

 

Telefonnummer Home: 00523336201054

Manuel: manuel@altermatt.ch

Annina: annina@altermatt.ch , 005213314034402